09.07.2026
Ein Tag mit Sam. Sam ist 8 Jahre alt. Sam hat ADHS
Diesen Text hat eine Schulbegleiterin geschrieben.
Der Text ist über einen Arbeits-Tag von der Schulbegleiterin.
Die Schulbegleiterin geht mit einem Jungen in die Schule.
Der Junge braucht in der Schule Hilfe.
Der Junge heißt im Text Sam.
Sam ist nicht der echte Name von dem Jungen.
Sam ist ein Schutz-Name.
Die Menschen sollen den echten Namen von Sam nicht wissen.
Sam hat ADHS.
Deshalb braucht Sam in der Schule Hilfe.
ADHS ist eine Abkürzung.
Die Abkürzung steht für diese Krankheit:
Aufmerksamkeits-Defizit-/Hyper-Aktivitäts-Störung.
ADHS ist bei Kindern oft unterschiedlich.
Aber: Manche Sachen sind gleich.
Bei Sam ist es so:
Manchmal geht es Sam nicht so gut.
Dann geht er aus dem Klassen-Zimmer.
Er bewegt sich 20 Minuten im Flur.
Dann kann er wieder in das Klassen-Zimmer zurück gehen.
Sam ist ungeduldig.
Deshalb frühstückt er gerne vor den anderen.
Manchmal geht er im Sport-Unterricht aus der Sporthalle.
Dann kommt er von alleine zurück.
Sam kann sich gut und schnell selbst anziehen.
Und er kann seine Schuhe binden.
Das zeigt:
Kinder mit ADHS sind nicht immer ungeschickt.
Sam hat nicht nur ADHS.
Sam hat auch ein bisschen Autismus.
Das ist bei vielen Menschen mit ADHS so.
Sam braucht regelmäßig Pausen.
Dann kann er sich ausruhen.
Sam möchte oft allein sein.
Er interessiert sich sehr für bestimmte Sachen.
Sam mag klare Regeln und gleiche Abläufe.
Das macht Sam ruhig und sicher.
Mittwoch 17. Juni
Ein ganz guter Tag in der Schule
Morgens – Sam kommt an
Sam kommt morgens in den Raum.
Er sieht sich um und wirkt freundlich.
Sam schaut anderen Menschen in die Augen.
Sam wackelt mit den Beinen.
Sam holt seine Frühstücks-Box aus der Tasche.
Sam macht das fast automatisch.
Er packt auch schon sein Frühstück aus.
Aber: Wir haben noch nicht zusammen angefangen.
Ich mache das:
Ich tippe kurz auf Sams Tisch.
Ich sage leise: Du bekommst zuerst ein Zeichen.
Danach nimmst du die Frühstücks-Box.
Ich stelle die Frühstücks-Box hier hin.
So kannst du sie gut sehen und leicht nehmen.
Das bedeutet:
Sam soll erst auf ein Zeichen warten.
Dann soll er mit dem Frühstück anfangen.
Die Frühstücks-Box steht bereit.
Sam kann sie sehen.
Und er kann sie nehmen.
Aber: Erst nach dem Zeichen.
Ich stelle die Frühstücks-Box in eine Kiste.
Die Kiste heißt: Wartezone-Kiste.
An der Kiste ist eine grüne Karte.
Das ist gut für die Erziehung.
So kann ich Sam helfen.
Er kann ruhig werden.
Ich möchte nicht schimpfen.
Die Regel ist einfach.
Sam sieht die Kiste und weiß:
So geht es weiter.
Deshalb müssen wir nicht lange sprechen.
Eine lange Ermahnung ist nicht so gut.
Eine einfache Regel ist besser.
Sam arbeitet zuerst an seinen Aufgaben.
Er macht die Aufgaben schnell und richtig.
Sam bittet oft um Hilfe.
Aber: Er kann die Aufgaben auch alleine lösen.
Sam möchte Aufmerksamkeit bekommen.
Ich sage zu ihm:
Zeig mir Schritt 1.
Das kannst du alleine.
Ich markiere Schritt 2 für dich.
Ich mache kleine Kästchen auf das Blatt.
Sam kann die Kästchen abhaken.
So hat er kleine Aufgaben.
Sam bekommt Hilfe in kleinen Schritten.
Er soll alleine arbeiten.
Sam bekommt zuerst einen kleinen Hinweis.
Er braucht mehr Hilfe?
Dann zeige ich ihm wie es geht.
Wenn er dann noch mehr Hilfe braucht:
Dann erkläre ich es ihm genau.
Das nennt man: Gestufte Unterstützung.
Gestufte Unterstützung bedeutet:
Du bekommst zuerst wenig Hilfe.
Du bekommst nur mehr Hilfe wenn du sie brauchst.
Vormittag – Sam wird unruhiger
Sam passt im Unterricht nicht mehr richtig auf.
Sam steht auf.
Er läuft im Klassen-Zimmer herum.
Er spricht über andere Themen.
Zum Beispiel sagt er:
Habt ihr gewusst dass Bienen tanzen?
Er wirft Sachen in die Luft.
Später steckt er sich Stifte in die Nase.
Das bedeutet:
Sam möchte etwas fühlen.
Vielleicht ist ihm langweilig.
Sam will nicht stören.
Sam braucht neue Reize.
Er braucht Aufmerksamkeit und Abwechslung.
Andere Menschen sollen ihn bemerken.
Ich lege einen weichen Ball auf den Tisch.
Ich lege einen Knet-Radiergummi daneben.
Ein Knet-Radiergummi ist ein weicher Radiergummi.
Der weiche Radiergummi ist wie Knetmasse.
Ich sage nichts und zeige nur auf die Sachen.
Wir machen eine leise Abmachung.
Die Abmachung ist:
Sam darf nur den weichen Ball werfen.
Und er darf nur auf dem Tisch werfen.
Er darf den Ball 30 Sekunden werfen.
Danach arbeitet Sam 5 Minuten.
Ich sage nicht nur:
Du darfst nicht werfen.
Ich sage:
Du darfst dafür etwas anderes machen.
Sam darf seine Hände benutzen.
Das nennt man Sensorik.
Sensorik ist fühlen oder tasten oder drücken.
Das ist erlaubt.
Aber nur auf dem Tisch.
Weil das sicher ist.
Und nur für kurze Zeit.
Ich mache einen kleinen Witz.
Lachen beruhigt.
Ich sage: Stifte sind nicht für die Nase.
Aber der Knet-Radiergummi liebt deine Hände.
Sam vergisst oft sein Mäppchen.
Manchmal vergisst er es in der Lern-Oase.
Manchmal vergisst er es im Ruhe-Raum.
Deshalb habe ich ein Schild gemacht.
Auf dem Schild sind Bilder.
Die Bilder zeigen:
Wir wechseln den Raum?
Dann hole ich das Schild heraus.
Ich halte das Schild hoch.
Ich zeige mit dem Finger auf jedes Bild.
Sam schaut auf das Bild und zeigt auch darauf.
Das hilft ihm.
Dann erinnert er sich an seine Sachen.
Ein Bild hilft besser als Worte.
Sam sieht seine Sachen als Bild und vergisst sie nicht so leicht.
Die Klasse arbeitet zusammen.
Manchmal lenkt Sam dann andere Kinder ab.
Ablenken heißt:
Sam stört andere Kinder.
Sam legt dann manchmal den Kopf auf den Tisch.
Das soll nicht passieren.
Deshalb mache ich diesen Trick:
Ich stelle eine Weck-Uhr auf 7 Minuten.
Sam arbeitet in diesen 7 Minuten ruhig und konzentriert.
Sam weiß:
Nach den 7 Minuten gibt es eine Bewegungs-Pause.
Bewegungs-Pause heißt:
Wir arbeiten nicht.
Wir bewegen uns.
Zum Beispiel: Diesmal haben wir 10 Liegestütze gemacht.
Diese Liegestütze haben wir am Türrahmen gemacht.
Ich habe Liegestütze mit Sam zusammen gemacht.
Die Uhr und die Bewegung helfen.
Sam kann so besser arbeiten und sich konzentrieren.
In manchen Klassen gibt es Fahrräder.
Die Fahrräder haben keine Räder.
Die Fahrräder stehen auf einem Ständer.
Und es gibt Gymnastik-Bälle.
Die Schüler können sich darauf setzen oder kurz fahren.
So können die Schüler kleine Pausen machen.
Ein Schüler arbeitet für kurze Zeit.
Danach kann er sich bewegen.
Die Pausen helfen dem Körper.
Manchmal ist zu viel Energie im Körper.
In den Pausen kann der Körper diese Energie loswerden.
Danach kann sich der Körper entspannen.
Und der Kopf kann wieder gut denken.
Der Schüler kann wieder besser lernen.
Pausen und Bewegung sind wichtig.
Mittag – Lern-Oase und Bewegung im Flur
Eine Lern-Oase ist ein Raum.
In diesen Raum können Schüler gehen.
Dort können Schüler Pause vom Unterricht machen.
Sie haben dort Ruhe.
In der Lern-Oase arbeitet Sam gut.
Nach der Zeit in der Lern-Oase ist Sam unruhig.
Er geht aus dem Raum.
Dann geht er auf den Flur.
Er dreht sich im Kreis.
Das macht er heute 15 Minuten lang.
Sam findet einen Besen.
Er spielt mit dem Besen.
Ich bleibe in seiner Nähe.
So kann Sam mich sehen.
Ich sage ihm nicht: Hör jetzt auf.
Ich lasse ihm Zeit.
Sport-Unterricht
Sam geht weg.
Und Sam kommt von allein wieder
Am Anfang ist Sam unruhig.
Sam verlässt die Turn-Halle.
Er geht in die Umkleide-Kabine.
Nach ein paar Minuten kommt Sam zurück.
Er kommt von allein zurück.
Sam macht bei der Lauf-Übung mit.
Er macht nur kurz mit.
Aber: Sam ist freundlich und arbeitet mit.
Ich schimpfe nicht mit ihm.
Niemand schimpft mit ihm vor allen Schülern.
Ich sage nur leise zu Sam:
Du bist wieder da.
Das ist schön.
Mach bei dem Abschnitt 3 mit.
Der Abschnitt 3 passt gut für dich.
Ich habe einen wichtigen Tipp für Sie:
Eine Person kommt zurück?
Das ist gut.
Loben Sie die Person dafür.
Die Person ist vorher weggegangen.
Aber: Schimpfen Sie deshalb nicht mit der Person.
Besser ist das:
Helfen Sie der Person wieder mitzumachen.
Erklären Sie der Person kurz:
So geht es weiter.
Nachmittag
Sam ist müde.
Er zieht sich zurück.
Der Tag ist sehr lang.
Sam ist jetzt nicht mehr aufmerksam.
Er hört schlecht zu.
Sam sagt unpassende Sachen.
Sam zappelt viel herum.
Ich merke:
Sam wirkt traurig.
Sam spricht nicht viel.
Er schaut oft auf den Boden.
Wegen seinem Autismus fühlt sich Sam nicht wohl.
Sam braucht jetzt mehr Ruhe.
Er will anderen Menschen nicht in die Augen schauen.
Sam macht jetzt oft gleiche Bewegungen.
Die Bewegungen macht er immer wieder.
Zum Beispiel wippt er mit dem Fuß.
Ich gebe Sam jetzt Ruhe.
Er darf die Ruhe aussuchen.
Zum Beispiel:
Er bekommt einen Platz für sich allein.
Er darf Kopfhörer aufsetzen.
Dann arbeitet Sam 10 Minuten leise.
Dabei kann er mit einem weichen Ball spielen.
Nach den 10 Minuten bekommt Sam eine leichte Aufgabe.
Das Ziel: Sam soll einen kleinen Erfolg bekommen.
Die Aufgabe ist eine Frage.
Sam kann die Frage sicher beantworten.
Er hat diese Frage gerade gelernt.
Am Nachmittag gibt es keine großen Aufgaben mehr.
Alle Aufgaben sind kurz und leicht.
Sam weiß genau:
So muss ich die Aufgaben lösen.
Abschluss
Anziehen und Schuhe binden klappen immer und gehen schnell.
Das macht Sam sehr gut.
Da ist Sam stark.
Ich lobe ihn dafür.
Ich will Sam Mut machen.
Morgen soll es wieder so gut sein.
Das ist mein Tipp für Sie:
Reden Sie deutlich über die Stärken vom Kind.
So sieht das Kind:
Ich kann viele Dinge richtig gut.
Dann denkt das Kind gut über sich selbst.
Das Kind soll nicht nur hören:
Das mache ich falsch.
Es soll auch hören:
Das mache ich richtig.
Das ist wichtig.
Das Kind fühlt sich dann besser.
Das Kind lernt: Ich habe viele Stärken.
Welt-ADHS-Tag heißt auch: Vielfalt Sehen.
Der Tag von Sam zeigt:
Kinder mit ADHS verhalten sich auffällig.
Aber diese Kinder haben auch viele Fähigkeiten.
Die Erwachsenen können diese Fähigkeiten fördern.
Dafür brauchen sie 3 Dinge:
Kinder mit ADHS sind oft sehr unruhig.
Das ist eine große Aufgabe für alle:
ADHS muss keine Schwäche sein.
Kinder mit ADHS brauchen nur einen anderen Tagesablauf.
Sie brauchen Geduld.
Sie brauchen Verständnis.
Dann können Kinder mit ADHS auch gut in die Schule gehen.
Sie können den Schultag schaffen.